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Seit Beginn der Erprobungsphase wird unsere Schule von einem Vertreter des IQSH unterstützt. Im Frühjahr 2009 hat Herr Dr. Gerhard Kappe einen Zwischenbericht vorgelegt. Grundlage sind zahlreiche Interviews mit Eltern, Schülern und Lehrern sowie Gespräche mit dem Arbeitskreis "Zeitstruktur".

Zwischenbericht "Veränderte Zeitstruktur"

Vorbemerkungen

Der vorliegende Zwischenbericht schließt an die Projektskizze vom 07.11.2008 (Werner) an. Er bilanziert gemäß der Vereinbarung mit dem AK Zeit vom 06.02.09 die qualitativen Befragungen von Lehrkräften, Lernenden und Eltern bezüglich der seit Beginn des Schuljahres 2008/09 geänderten Zeitstruktur. Diese wurden in der Zeit von November 2008 bis März 2009 durchgeführt.

Ziel

Der Zwischenbericht bildet die Basis für den weiteren Prozess der Befragung und Beobachtung und soll in Absprache mit dem AK Zeit eine interne Evaluation unter Einbezug aller Betroffenen ermöglichen. Dazu bedarf es der Klärung der grundlegenden Frage: „Was muss erfasst werden, um sinnvolle Aussagen für die Entscheidung zu gewinnen, die veränderte Zeitstruktur beizubehalten?“. Zu diesem Zweck werden im Folgenden die Ergebnisse der befragten Personengruppen genannt und mögliche Konsequenzen angedacht.

Lehrkräfte urteilen Ergebnisse

Allgemein
Insgesamt bestehen keine gravierenden, massiven Widerstände gegen die neue Zeitstruktur; die Kolleginnen und Kollegen äußern sich differenziert und konstruktiv. Der längere Unterricht am Stück wird als entspannter, ruhiger erlebt, da durch 60´auch weniger Stunden/Tag unterrichtet werden. Offene Unterrichtsformen sind bei 60´ leichter einzusetzen.
Es besteht der Wunsch nach mehr Flexibilität im Modell und nach einer Verbesserung der Raumnutzung zum eigenständigen Arbeiten (auch in Hinblick auf die Mittagspause).
Die Anzahl der Befürworter des 60 Minutentaktes ist nach der Einführung gestiegen (laut einer vergleichenden Umfrage von Februar und November 2008). Dieses Ergebnis belegt die oben erwähnte positive Einstellung gegenüber der neuen Zeitstruktur.

Unterricht
Als ein wichtiger Grund für die neue Zeitstruktur kann die entspanntere Unterrichts- und Arbeitsatmosphäre erwähnt werden, sodass der Unterric htsalltag mehr Ruhe erfährt. Dieser Vorteil gilt für nahezu alle befragten Lehrenden. Geschätzt werden vor allem die Möglichkeit für
# Experimentalunterricht in den Naturwissenschaften
# eine intensivere Inhaltsvermittlung mit Übungsphase
# kreative Arbeitsweisen einschließlich einer Auswertung
# die Nutzung verschiedener Arbeits- und Sozialformen
# mehr Methodenwechsel.

Mit den erwähnten Vorteilen werden auch Nachteile verbunden, von denen besonders der Bereich der Hausaufgaben betroffen ist. Aufgrund der geänderten Stundenverteilung steigern einige Lehrkräfte den Hausaufgabenumfang und sehen sich dann mit der Problematik konfrontiert, wie alle Hausaufgaben im Unterricht besprochen werden.
Ein weiterer negativer Bereich ist der Umgang mit Unterrichtsausfall, vor allem bei einstündigem Unterricht im Quartal, unter dem die Kontinuität des Unterrichts leidet. Wird Unterricht vertreten, ergeben sich längere Vertretungsstunden als zuvor (eben 60-minütige).
Manche Lehrkräfte äußern, dass durch die Einführung der neuen Zeitstruktur bei Schülerinnen und Schülern auch ein Nachlassen der Konzentration festzustellen sei. Dieser Bereich wird (also) gegensätzlich beurteilt.

Unterrichtsvorbereitung
Ähnlich gegensätzlich wird von den Lehrkräften der Stundenplan betrachtet. Die Vorbereitung auf weniger Unterrichtseinheiten am Tag und die damit verbundenen geringeren Raumwechsel werden als Entlastung empfunden. Selbst die verlängerten Freistunden bedeuten für manche Kolleginnen und Kollegen eine Entlastung, während sie für andere als belastend gesehen werden. Kritiker sehen zudem ein Problem in der Stundenabrechnung – das betrifft Vertretungsstunden, den Unterricht der Teilzeitkräfte, die Stundenverteilung in den Quartalen.

Anregungen

Insgesamt könnten Vorbereitung und Durchführung von Unterricht durch die neue Zeitstruktur eine Bereicherung der Unterrichtsqualität erfahren. Als entscheidend dafür wird die methodische Ausgestaltung des Unterrichts angesehen.
Die Erledigung von Hausaufgaben erhält eine besondere Bedeutung hinsichtlich der Nachbereitung und Vorbereitung des Unterrichts und verlangt von den Lehrkräften eine erhöhte Reflexionsfähigkeit, um nichts dem Zufall zu überlassen. Schülerorientiertes Arbeiten in seinen unterschiedlichen Ausprägungen tritt neben das fragend-entwickelnde Unterrichtsgespräch; es verlangt und ermöglicht in gleicher Weise eine erhöhte Konzentrationsfähigkeit auf Seite der Lernenden. Diese erfahren ein Mehr an eigenständiger Arbeit während des Unterrichts.
Besonderes Interesse verdient die Behandlung des Unterrichtsausfalls durch Krankheit, Fortbildung, außerschulische Lernorte. Wenn Unterricht ausfällt, muss eruiert werden, wie „Vertretungsstunden“ gestaltet werden können, um dem Problem des Unterrichtsausfalls konstruktiv begegnen zu können:

# Welche Lernformen können bei Unterrichtsausfall eingesetzt werden? (Selbstorganisiertes Lernen, Lernen durch Lehren è Unterricht als Makroplanung)
# In welchem Umfang können Lehrkräfte ohne zusätzliche Arbeitsbelastung eine Vertretung übernehmen?
# Könnten andere Personen (Externe) in Vertretungsstunden anwesend sein?
# Wie hoch ist die Bereitschaft der Lehrenden und der Lernenden, sich auf ein „neues Vertretungskonzept“ einzulassen, eventuell sogar zu einer gemeinsamen Vereinbarung über ein solches Konzept zu kommen?

Eine Lösung des Problems „Unterrichtsausfall“ wäre auch im Sinne derjenigen Lehrkräfte, die Kurzfächer unterrichten und aufgrund des Unterrichtsausfalls eine andere Stundenplanung bevorzugen (statt 1 – 2 lieber 3 – 0). Dieser Aspekt betrifft die Flexibilität der Zeitstruktur.
Ein von allen Beteiligten getragenes Vertretungskonzept könnte den auch im „alten System“ vertretenen Ansatz einer angestrebten kontinuierlichen Unterrichtserteilung stützen und trüge zu einer geänderten Unterrichtskultur bei, wenn die Lernenden eine vermehrte Verantwortung für ihre eigene Bildung übernähmen. Das Problem „Unterrichtsausfall“ kann nicht wie bisher bewältigt werden. Die in der „Projektskizze ‚Veränderte Zeitstruktur’ Mölln“ (Werner) aufgeführte Indikatorenliste für eine Veränderung der Unterrichtskultur in Richtung „Offene Unterrichtsformen“ (vom Lehren zum Lernen) und „individuelle Förderung“ (Schulgesetz) erhält daher besonderes Gewicht. Genannt werden in der Projektskizze die folgenden bekannten Themenbereiche:

# Einsatz offener Unterrichtsformen
# Beteiligung der Lernenden
# Individualisierung des Unterrichts.

Alle drei Bereiche basieren auf dem Konzept eines schüleraktivierenden/schülerorientierten/schülerzentrierten Unterrichts. Aufgrund der geänderten Zeitstruktur ergibt sich die Leitfrage des gesamten Projekts:

Inwieweit kann die geänderte Zeitstruktur schüleraktivierende Arbeitsweisen ermöglichen?

Lernende urteilen Ergebnisse

Allgemein
Die Auswertung der einzelnen Schüleräußerungen erstreckt sich auf die Orientierungsstufe sowie die Sekundarstufen I und II. Allgemein kann eine positive und wohlwollende Aufnahme der neuen Zeitstruktur festgestellt werden. Die Lernenden erfahren wie die Lehrenden eine Entlastung durch die geringere Anzahl der täglich unterrichteten Fächer und empfinden die dadurch ermöglichten längeren Konzentrationsphasen als angenehm. Sie akzeptieren eine daraus resultierende Stofffülle. Das Lernverhalten hat sich mehrheitlich nicht verbessert, wurde also durch die neue Zeitstruktur nicht beeinflusst.

Unterrichtszeit: Ein Aspekt, der den „inneren Rahmen“ der geänderten Zeitstruktur betrifft, ist die Umstellung der Lehrkräfte auf die neue Unterrichtsstruktur. Darüber besteht ein eher geteiltes Meinungsbild. Trotz der wenigen Stimmen, die dazu geäußert wurden, kann auf Schülerseite eine geänderte unterrichtliche Vorbereitung der Lehrkräfte wahrgenommen werden.
Möglicherweise beeinflusst die Berücksichtigung der neuen Zeitstruktur auch die nachmittägliche Belastung der Schülerinnen und Schüler, wobei festzustellen ist, dass Schülerinnen und Schüler der Orientierungsstufe keine Einschränkung ihrer nachmittäglichen Aktivitäten erfahren. Dieses Bild ändert sich mit Beginn der Sekundarstufe. Diese Tatsache wird in der Unter- & Mittelstufe nicht durch eine Erhöhung der Hausaufgaben verursacht, da diese insgesamt als nahezu unverändert erlebt werden. Als Grund für eine gestiegene Belastung wird die späte Rückkehr aus der Schule angesehen.

Zeit nach dem Unterricht
Ein „langer“ Unterrichtstag bedeutet für die meisten Schülerinnen und Schüler eine Einschränkung privat genutzter Zeit, die eine zusätzliche Begrenzung durch eine mangelhafte Busverbindung erfährt. Dieser Aspekt betrifft den „äußeren Rahmen“ der neuen Struktur und kann nicht als ein neu aufgetretenes Problem angesehen werden, da Fahrschülerinnen und Fahrschüler stets mit solchen Problemen konfrontiert werden.



Anregungen

Hinterfragt werden muss in diesem Zusammenhang dennoch, ob durch die Zeitstruktur eine Belastungsgrenze überschritten wird:

# Welche Auswirkungen erfahren Fahrschülerinnen und Fahrschüler bezüglich ihrer Abfahrzeiten (Hinfahrt und Rückfahrt) und bezüglich ihrer Fahrstrecke (Verbindung zum Zielort)?
# Inwieweit bedeuten verbesserte Fahrzeiten eine Entlastung des Nachmittags?

Eventuell könnten geänderte Fahrzeiten und Fahrstrecken eine zeitliche Entlastung der Schülerinnen und Schüler am Nachmittag bewirken.

Es wird deutlich, dass die oben erwähnte „Veränderung der Unterrichtskultur“ mit in diesen Zusammenhang gestellt werden muss, da sich folgende zweite Leitfrage ergibt:

Inwiefern bedeuten schüleraktivierende Arbeitsweisen auf Schülerseite eine Entlastung für die Nachbereitung des Unterrichts (Hausaufgaben) am Nachmittag?

Eine Beantwortung dieser Frage wird darüber Aufschluss geben, wie sehr der nachmittägliche Gestaltungsraum der Schülerinnen und Schüler sowohl von unterrichtlichen Bedingungen als auch von außerschulischen Faktoren beeinflusst wird.

Eltern urteilen Allgemein

Die Eltern bilden mit ihren Äußerungen und Anregungen eine „mittelnde“ Gruppe aller befragten Personen und lassen ein hohes Zustimmungspotential erkennen. Die Arbeit der Schule wird deutlich gewürdigt und es wird anerkannt, dass die neue Zeitstruktur auf die allgemeine Förderung der Unterrichtskultur und der besonderen Entwicklung der Schülerinnen und Schüler ausgerichtet ist.

Unterricht

Der Wechsel von Kurz- und Langtagen wird von den Eltern als positiv empfunden, da die Länge und die Lage der Mittagspause als günstig positioniert angesehen wird. Trotz der Neuordnung des Schultages ergeben sich nur selten Veränderungen bei den außerschulischen Aktivitäten der Kinder. Die Hausaufgabenbelastung wird von den Eltern nahezu als ähnlich derjenigen vor Einführung der neuen Zeitstruktur gesehen. Allerdings erhält der Aspekt Hausaufgabenerledigung nicht das gleiche Gewicht wie bei den SchülerInnen des 11. & 12. Jahrgangs.

Auf dem Gebiet der Unterrichtsvorbereitung wünschen die Eltern (wie die Lernenden) eine verstärkte Anpassung an den 60-min-Takt. Dieser Aspekt kann im Zusammenhang mit zwei Aspekten betrachtet werden:

# Hausaufgabenentlastung
# Beachtung der einstündig erteilten Fächer.

Dass die Bedeutung der einstündigen Fächer mehr in den Blickpunkt gesetzt werden soll, wünschen nicht nur Lehrkräfte, sondern auch Eltern: Unterrichtsausfall durch Fortbildung, Krankheit, Lernen am anderen Ort muss durch geeignete Maßnahmen kompensiert werden (s.o.) und betrifft die bereits erwähnten Fragen bezüglich des Umgangs mit der Problematik des Unterrichtsausfalls.

Anregungen

Auffällig ist die nahezu völlig positive Einstellung der Eltern der Orientierungsstufe. Möglicherweise treffen hier positive Faktoren zusammen:

# Kinder sind durch ihre Eltern vorbereitet auf die anstehenden Neuerungen.
# Lehrkräfte stellen sich auf die Kinder der Orientierungsstufe ein und berücksichtigen dementsprechend die neue Zeitstruktur.
# Eltern erfahren das Engagement der Lehrenden als positiv und unterstützen dadurch unmittelbar ihre Kinder und mittelbar die Lehrkräfte.

Andererseits liegen von den Eltern der Kinder aus der Sekundarstufe meist uneinheitliche Positionen in den Punkten vor, die den „äußeren Rahmen“ betreffen, nämlich die Situation der Fahrschülerinnen und Fahrschüler sowie die Position der Mittagspause. Neben den Befürwortern der jetzigen Zeitstruktur kritisieren einzelne Eltern

# die Kürze der Mittagspause
# das Gedränge in der Mensa
# die Nichtbeachtung der jüngeren Jahrgänge durch die älteren
# das lange Warten auf die Busverbindung
# die nur unvollständige Fahrt zum Wohnort.

Zeit nach dem Unterricht

Ähnlich wie die Schülerinnen und Schüler stellen sie im Bereich des „äußeren Rahmens“ der neuen Zeitstruktur einen Handlungsbedarf im Bereich Bustransfer fest, der sich auf die nachmittägliche Belastung der Schülerinnen und Schüler auswirkt.

Zusammenfassung

Gemäß der Projektskizze vom 07.11.2008 (Werner) bestanden vor Einführung der neuen Zeitstruktur folgende Ziele, Begründungen und Erwartungen:
# mehr Ruhe im Tagesablauf
# weniger Fächer pro Tag
# geringeres Gewicht der Schultasche,
# weniger Raumwechsel,
# effektiv mehr Unterrichtszeit durch geringere Rüstzeit
# Entlastung für Schüler und Lehrer.

Als pädagogisches Leitziel wurde die Veränderung der Unterrichtskultur in Richtung „Offene Unterrichtsformen“ (vom Lehren zum Lernen) und „individuelle Förderung“ (Schulgesetz) formuliert. Der Zwischenbericht soll Auskunft darüber geben, was erfasst werden muss, um sinnvolle Aussagen für die Entscheidung zu gewinnen, die veränderte Zeitstruktur beizubehalten.

Fazit

Die Ergebnisse der befragten Personengruppen zeigen mehrheitlich eine Zustimmung zur neuen Zeitstruktur und lassen sich zwei Leitfragen zur geänderten Zeitstruktur ableiten:

Erste Leitfrage des gesamten Projekts:
Inwieweit kann die geänderte Zeitstruktur schüleraktivierende Arbeitsweisen ermöglichen?

Zweite Leitfrage:
Inwiefern bedeuten schüleraktivierende Arbeitsweisen auf Schülerseite eine Entlastung für die Nachbereitung des Unterrichts (Hausaufgaben) am Nachmittag?

Aufgabe einer internen Evaluation wird es sein, Antworten auf die gestellten Fragenkomplexe zu finden und dadurch eine aktive Weitergestaltung der neuen Zeitstruktur zu erreichen.