Geschwister Scholl
Was spricht für ein „Geschwister-Scholl-Gymnasium“ in Mölln?
Fragen und Antworten
Die Geschwister Scholl sind brutal ermordet worden. Weckt es nicht zu sehr traurige Erinnerungen, wenn unser Gymnasium „Geschwister-Scholl-Gymnasium“ heißt?
Laut Zeugenaussagen waren Sophie und Hans Scholl ausgesprochen fröhlich, interessiert und lebenslustig. Auf Fotos kann man sehen, wie sie mit ihren Freunden zum Wandern und Schwimmen gegangen sind, wie sie Feste gefeiert haben. Aber bei ihnen haben sich Sinn für Lebensfreude mit einem besonderen Verantwortungsgefühl gepaart.
Können wir uns mit zwei Helden wie Sophie und Hans Scholl überhaupt identifizieren?
Die Geschwister Scholl waren zunächst ganz normale, junge Menschen, die nicht als Helden geboren worden sind. Doch sie hatten einen starken Sinn für Freiheit und Gerechtigkeit, der sie über ihre Ängste hinauswachsen ließ.
Gehören die Geschwister Scholl nicht der Vergangenheit an?
Zivilcourage ist kein Thema der Vergangenheit. Stellen wir uns ganz alltägliche Situationen auf dem Schulberg vor: Eine Gruppe Schüler pöbeln einen Mitschüler an. Wie verhalten wir uns? Ist unser Verhalten mit unserem Gewissen vertretbar?
Worin könnten uns die Geschwister Scholl inspirieren?
„Man muss einen harten Geist und ein weiches Herz haben!“ dieses Zitat des französischen Philosophen Jacques Maritain haben die Geschwister Scholl gerne in ihren Briefen und Aufzeichnungen benutzt. In Fragen des Gewissens bewiesen die beiden eine Geradlinigkeit und Aufrichtigkeit, die für ihr junges Alter äußerst bemerkenswert war.
Warum ist es sinnvoll gerade über einen Schulnamen an die Geschwister Scholl zu erinnern?
Bildung darf nicht ideologisch vereinnahmt werden. Sie darf aber auch nicht ethisch neutral sein. Sie muss sich unserer Auffassung nach humanistischen und demokratischen Werten verpflichtet fühlen. Das wird durch den Namen „Geschwister-Scholl-Gymnasium“ sehr deutlich.
Aber: Gibt es denn nicht schon mehr als ein Geschwister-Scholl-Gymnasium in Deutschland?
Es gibt laut unserer Internet-Recherche sogar schon 28 Geschwister-Scholl-Gymnasien in Deutschland. Aber noch keins in Schleswig-Holstein!
Wir sind davon überzeugt, dass der Name „Geschwister-Scholl-Gymnasium“ in ganz besonderem Maße den Kriterien für die Namensfindung unseres Gymnasiums gerecht werden. Das wollen wir bei unserer Präsentation am 22.09. verdeutlichen.
Maresch und Alexandra Bär
Die folgenden Ausführungen stammen von:
Helga und Lothar Obst, Eltern von Matthias Obst, Klasse 10c
„ES IST DAS HOHE VORRECHT DER JUGEND, DAS UNMÖGLICHE ZU WAGEN UND VOR KEINER GEFAHR ZURÜCKZUWEICHEN, WENN ES EINEN IDEALEN WERT ZU RETTEN ODER ZU ERKÄMPFEN GILT.“
(Prof. Dr. Karl Voßler über die Studentengruppe „Weiße Rose“)
Die Weiße Rose
Die Münchener Studenten um Hans und Sophie Scholl gehören zu den bekanntesten Gruppen des Deutschen Widerstandes. Im Frühjahr 1942 findet sich an der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität um Hans Scholl eine Gruppe junger Medizin- und Philosophiestudenten zusammen, zu der ab Mai 1942 auch Sophie Scholl hinzustößt. Die Studenten sind erst 21 bis 24 Jahre alt. Damit ist die „Weiße Rose“ die jüngste Widerstandsgruppe. Die jungen Menschen wehren sich gegen die totale Vereinnahmung durch den Nationalsozialismus, wollen ihre geistige Unabhängigkeit bewahren und verfassen von Mai bis Juli 1942 vier „Flugblätter der Weißen Rose“, in denen sie das nationalsozialistische Unrechtsregime brandmarken:
„Ist es nicht so, dass sich jeder ehrliche Deutsche heute seiner Regierung schämt, und wer von uns ahnt das Ausmaß der Schmach, die über uns und unsere Kinder kommen wird, wenn einst der Schleier von unseren Augen gefallen ist und die grauenvollsten und jegliches Maß unendlich überschreitenden Verbrechen ans Tageslicht treten?
Leistet passiven Widerstand – Widerstand – wo immer ihr auch seid ...
Alles darf dem Besten des Staates zum Opfer gebracht werden, nur dasjenige nicht, dem der Staat selbst nur als ein Mittel dient. Der Staat selbst ist niemals Zweck, er ist nur wichtig als eine Bedingung, unter welcher der Zweck der Menschheit erfüllt werden kann, und dieser Zweck der Menschheit ist kein anderer, als die Ausbildung aller fortschreitenden Kräfte des Menschen. Hindert eine Staatsverfassung, dass alle Kräfte, die im Menschen liegen, sich entwickeln, hindert sie die Fortschreitung des Geistes, so ist sie verwerflich und schädlich ...“
(Auszug aus dem ersten Flugblatt, Mai 1942)
„Man kann sich mit dem Nationalsozialismus geistig nicht auseinandersetzen, weil er ungeistig ist. Schon in ihrem ersten Keim war diese Bewegung auf den Betrug des Mitmenschen angewiesen, schon damals war sie im Innersten verfault und konnte sich nur durch die stete Lüge retten. Man glaubt nicht, wie man ein Volk betrügen muss, um es zu regieren.
Wenn so eine Welle des Aufruhrs durch das Land geht, wenn „es in der Luft liegt“, wenn viele mitmachen, dann kann in einer letzten, gewaltigen Anstrengung dieses System abgeschüttelt werden.“
(Auszug aus dem zweiten Flugblatt, Juni 1942)
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„Denn der Mensch soll nach Gottes Willen frei und unabhängig im Zusammenleben und Zusammenwirken der staatlichen Gemeinschaft sein natürliches Ziel, sein irdisches Glück in Selbständigkeit und Selbsttätigkeit zu erreichen suchen.
Ist euer Geist schon so sehr der Vergewaltigung unterlegen, dass ihr vergesst, dass es nicht nur euer Recht, sondern eure sittliche Pflicht ist, dieses System zu beseitigen?
Verbergt nicht eure Feigheit unter dem Mantel der Klugheit!“
(Auszug aus dem dritten Flugblatt, Juni 1942)
„Wer hat die Toten gezählt, Hitler oder Goebbels – wohl keiner von beiden. Täglich fallen in Russland Tausende. Die Trauer kehrt ein in die Hütten der Heimat, und niemand ist da, der die Tränen der Mütter trocknet. Hitler aber belügt sie, deren teuerstes Gut er geraubt und in den sinnlosen Tod getrieben hat.“
(Auszug aus dem viertem Flugblatt, Juli 1942)
Von Juli bis Oktober 1942 werden Hans Scholl und seine Kommilitonen an die Ostfront kommandiert, wo sie Zeugen von völkerrechtswidrigen Erschießungen an russischen Gefangenen und Verletzten werden. Unter dem Eindruck ihrer persönlichen Kriegserlebnisse verfasst die Studentengruppe das fünfte Flugblatt, den „Aufruf an alle Deutsche“:„Hitler kann den Krieg nicht gewinnen, nur noch verlängern!
Deutsche! Wollt ihr und eure Kinder dasselbe Schicksal erleiden, das den Juden widerfahren ist? Wollt ihr mit dem gleichen Maße gemessen werden wie eure Verführer? Sollen wir auf ewig das von aller Welt gehasste und ausgestoßene Volk sein? Nein! Darum trennt euch von dem nationalsozialistischen Untermenschentum! Beweist durch die Tat, dass ihr anders denkt! Entscheidet euch, eh‘ es zu spät ist!
Das kommende Deutschland kann nur föderalistisch sein. Freiheit der Rede, Freiheit des Bekenntnisses, Schutz des einzelnen Bürgers vor der Willkür verbrecherischer Gewaltstaaten, das sind die Grundlagen des neuen Europa.“
(Auszug aus dem fünftem Flugblatt, Januar 1943)
...
Sehr stark werden die Studenten durch den Hochschullehrer und Philosophieprofessor Dr. Kurt Huber geprägt. Als sie mit ihm Grundfragen der politischen Ordnung diskutieren, hat die Schlacht um Stalingrad ihren Höhepunkt erreicht. Unter dem Eindruck der sinnlosen Leiden und Opfer des Krieges rufen sie mit Wandparolen zur „Freiheit“ und „Nieder mit Hitler“ auf und verfassen ihr sechstes und letztes Flugblatt. Es ist an die „Kommilitoninnen! Kommilitonen!“ gerichtet:
„... im Namen der ganzen deutschen Jugend fordern wir von dem Staat Adolf Hitlers die persönliche Freiheit, das kostbarste Gut des Deutschen, zurück, um das er uns in der erbärmlichsten Weise betrogen hat.
Das ist ein Anfang zur Erkämpfung unserer freien Selbstbestimmung, ohne die geistige Werte nicht geschaffen werden können.
Es geht uns um wahre Wissenschaft und echte Geistesfreiheit! Kein Drohmittel kann uns schrecken, auch nicht die Schließung unserer Hochschulen. Es gilt den Kampf jedes Einzelnen von uns um unsere Zukunft, unsere Freiheit und Ehre in einem seiner sittlichen Verantwortung bewussten Staatswesen.
Der deutsche Name bleibt für immer geschändet, wenn nicht die deutsche Jugend endlich aufsteht, seine Peiniger zerschmettert und ein neues, geistiges Europa aufrichtet.“
(Auszug aus dem sechsten Flugblatt, Februar 1943)
In den Augen der nationalsozialistischen Machthaber sind derart ethisch begründete Appelle an das Gewissen ein „politisches Schwerverbrechen“. Gestapo und eine gleichgeschaltete Justiz zerschlagen die „Weiße Rose“. Die Studenten um Hans und Sophie Scholl werden hingerichtet, ebenso ihr Philosophieprofessor Kurt Huber.
Sophie Scholl Hingerichtet am 22. Februar 1943, 21 Jahre alt
Hans Scholl Hingerichtet am 22. Februar 1943, 24 Jahrealt
Christoph Probst Hingerichtet am 22. Februar 1943, 23 Jahre alt
Alexander Schmorell Hingerichtet am 13. Juli 1943, 25 Jahre alt
Prof. Dr. Kurt Huber Hingerichtet am 13. Juli 1943, 49 Jahre alt
Willi Graf Hingerichtet am 12. Oktober 1943, 25 Jahre alt
Hans Konrad Leipelt Hingerichtet am 29. Januar 1945, 23 Jahre alt.
Hans Scholl
(Kurzbiographie)
Geboren am 22. September 1918 in Ingersheim (Württemberg), 1930 Umzug der Familie nach Ulm, Abitur 1937, danach Arbeits- und Militärdienst, Sommersemester 1939 Beginn des Medizinstudiums in München, ab Frühjahr 1942 treibende Kraft in der studentischen Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ (s. oben), am 18. Februar 1943 beim Verteilen von Flugblättern in der Universität München fest-genommen, am 22. Februar 1943 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und noch am gleichen Tag hingerichtet, beigesetzt auf dem Friedhof am Perlacher Forst, München.
Als fünfzehnjähriger Schüler von dem neuen Regime ursprünglich begeistert, tritt Hans Scholl gegen den erklärten Willen seines Vaters zunächst in die Hitler-Jugend ein. Der Vater steht dem NS-Staat in unverhohlener Ablehnung gegenüber, äußert öffentlich abfällige Bemerkungen und bezeichnet Hitler als eine „Gottesgeißel der Menschheit“; dafür wird er vorübergehend inhaftiert. Aber sehr schnell lehnt der Jugendliche den Fanatismus und die bedingungslose persönliche Unterordnung in der HJ ab. Er wehrt sich gegen Beschränkungen seiner persönlichen Freiheit wie z. B. dem Verbot von ausländischen Liedern oder von Büchern bestimmter Schriftsteller, die Hans Scholl gerne liest. Literatur hat prägenden Einfluss auf ihn.
Nach dem Austritt aus der HJ wird Hans Scholl auch für familiäre Einflüsse offen, wobei der christlich-humanistische Hintergrund der Familie, die liberalen Ideen des Vaters ebenso wie die religiöse Erziehung durch die Mutter umso wirksamer werden und durch eigene kritische Erfahrungen mit dem NS-Regime Ergänzung finden. Hans Scholl schließt sich der verbotenen Bündischen Jugend an. Daraufhin Festnahme und mehrwöchige Inhaftierung (wie seine Geschwister Inge und Werner Scholl).
Bis April 1939 (Aufnahme des Medizinstudiums in München) vollständige innere Abwendung vom NS-Regime, ab Herbst 1941 durch die Bekanntschaft mit Karl Muth (Herausgabe der katholischen Monatsschrift „Hochland“) zunehmendes Stadium der bewussten Opposition zum herrschenden System. Den Schritt in die Illegalität vollzieht Hans Scholl wie seine späteren Freunde ab Mai 1942 und wird der „geistige Kopf“ der studentischen Widerstandsgruppe Weiße Rose.
„Mir ist der Kopf schwer. Ich verstehe die Menschen nicht mehr. Wenn ich durch den Rundfunk diese namenlose Begeisterung höre, möchte ich hinausgehen auf eine große einsame Ebene und dort allein sein.“
(Hans Scholl, 14. März 1938)
Sophie Scholl
(Kurzbiographie)
Geboren am 9. Mai 1921 in Forchtenberg (Württemberg), 1930 Umzug der Familie nach Ulm, Abitur 1940 in Ulm, anschließend Ausbildung zur Kindergärtnerin, Examen März 1941, danach sechs Monate Arbeitsdienst und sechs Monate Kriegshilfsdienst, Sommersemester 1942 Beginn des Studiums der Biologie und Philosophie (Hochschullehrer: Prof. Dr. Kurt Huber) in München, Bekanntschaft mit Karl Muth (s. oben), Beteiligung an der Verteilung der Flugblätter in München, Augsburg, Ulm und Stuttgart, am 18. Februar 1943 mit ihrem Bruder Hans in der Universität München festgenommen, am 22. Februar 1943 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und noch am gleichen Tage hingerichtet, beigesetzt auf dem Friedhof am Perlacher Forst, München.Sophie Scholl gehört bis zum Ende ihrer Schulzeit dem BdM an, distanziert sich jedoch schon sehr früh unter dem Einfluss der Familie sowie der mehrwöchigen Inhaftierung ihrer Geschwister Hans, Inge und Werner von der nationalsozialistischen Ideologie. Ausgeprägtes politisches Engagement ab Beginn der Studienzeit (Mai 1942, München). Eingeschriebene Studentin bei Prof. Dr. Kurt Huber. Seine Philosophievorlesungen werden auch von den Medizinstudenten um Hans Scholl und Kommilitonen regelmäßig besucht. Die griechischen Philosophen und insbesondere ihre Theorien des Naturrechtes haben prägenden Einfluss auf die Geisteshaltung von Sophie Scholl.„Was wir geschrieben und gesagt haben, das denkt ihr alle ja auch, nur fehlt euch der Mut, es auszusprechen.“
(Sophie Scholl am 22. Februar 1943 vor dem Volksgerichtshof)...
„Freiheit der Rede, Freiheit des Bekenntnisses, Schutz des einzelnen Bürgers vor der Willkür verbrecherischer Gewaltstaaten, das sind die Grundlagen des neuen Europa.“
(Weiße Rose, Auszug aus dem fünften Flugblatt, Januar 1943).
Warum sollte unser Möllner Gymnasium
Geschwister-Scholl-Gymnasium
heißen?
Weil ...
... die Geschwister Hans und Sophie Scholl junge Leute (21 bis 24 Jahre) und nicht sehr viel älter als die Oberprimaner eines Gymnasiums waren. Junge Menschen also, die ganz zu Recht ihre persönlichen Vorstellungen von der Gestaltung und der Zukunft ihres eigenen Lebens hatten, genauso wie dies bei unseren Kindern und eben auch den Schülerinnen und Schülern eines Gymnasiums ist. Hans und Sophie Scholl sind für ihre Altersgenossen konkret erfahrbare und in ihren Gedanken und Vorstellungen erlebbare Menschen hinreichend gleichen Alters.... sich in den Geschwistern Hans und Sophie Scholl gleichermaßen Jungen und Mädchen einer Schule wiederfinden können.... die Geschwister Sophie und Hans Scholl den Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums im Unterricht konkret begegnen (deutsche Geschichte des Dritten Reiches, Widerstand, politische Bildung).... die Studentengruppe „Weiße Rose“ um die Geschwister Hans und Sophie Scholl Jung und Alt gleichermaßen integriert (Medizin- und Philosophiestudenten im Alter von 21 bis 24 Jahren, Philosophieprofessor Huber 49 Jahre, Publizist Karl Muth 77 Jahre, Kulturphilosoph Theodor Haecker 66 Jahre).... die Studentengruppe „Weiße Rose“ um die Geschwister Hans und Sophie Scholl in den ethischen Wertvorstellung der handelnden Personen mehrere Religionen integriert (Geschwister Scholl ev.-luth.; Alexander Schmorell russ.-orth.; Willi Graf und Prof. Huber röm.-kath.).... die Studentengruppe „Weiße Rose“ um die Geschwister Hans und Sophie Scholl in ihrem Aktionsradius Nord und Süd integriert (Münchener Zweig der Weißen Rose, Hamburger Zweig der Weißen Rose, insgesamt 50 Verhaftungen, 8 Hinrichtungen).... die Geschwister Hans und Sophie Scholl für die Schülerschaft eines Gymnasiums sowie für den Bildungsauftrag einer solchen Schule zukunftsorientiert wirken können. Sie zeigen, dass Erziehung und Bildung das Ziel haben, den Menschen aus eigener Erfahrung und Analyse in einem Prozess der Reife zu einem selbständigen, eigenverantwortlichen und kritischen Handeln anzuleiten und hinzuführen....
... selbst in der Bedingtheit ihrer Wirkung und der letztlichen Erfolglosigkeit ihres Handelns die Geschwister Hans und Sophie Scholl gerade für junge Menschen maßstabsgebend bleiben können. Auch in der Erfahrung, dass eigenes Handeln durchaus an der gesellschaftlichen Mehrheit scheitern kann, können junge Menschen in den Personen von Hans und Sophie Scholl selbständig den Wert von Freiheit und Recht erlernen und eigenverantwortlich bewerten.
... die Geschwister Hans und Sophie Scholl schließlich zeigen, dass neben der Anleitung zum selbständigen, eigenverantwortlichen und kritischen Handeln ein weiteres und entscheidendes hinzukommen muss: Der Mut nämlich, für eigene Überzeugungen jederzeit einzustehen. Junge Menschen sollen diesen Mut haben, anzuprangern, was ihnen kritikwürdig erscheint. Sie hinzuführen zu einem kritischen und toleranten Geist und anzuleiten im sinnvollen Gebrauch ihrer Freiheiten, dies ist schließlich zentrales Erziehungs- und Bildungsziel eines Gymnasiums als anspruchsvollste allgemeinbildende Schulform, die junge Menschen zur Allgemeinen Hochschulreife führt.
In dieser Weise wirken die Geschwister Hans und Sophie Scholl gleichermaßen identifikationsstiftend wie maßstabsgebend und zukunftsweisend.
Verwendete Quellen:
Flugblätter der Weißen Rose, Mai 1942 bis Februar 1943.
Dokumentationen der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Berlin, Stauffenbergstraße (Prof. Dr. Peter Steinbach/Dr. Johannes Tuchel).
Ludwig-Maximilians-Universität München, Universitätsbibliothek, Geschwister-Scholl-Platz, Gedenkausstellung 1983.
Festschrift zur Gedenkfeier für die Opfer an der Universität München, November 1946.





