Anne Frank
von Marc Schieren
Anneliese Marie Frank wurde am 12. Juni 1929 in Frankfurt am Main geboren worden. Sie war jüdisch. Ihre Eltern waren Otto und Edith Frank. Sie hatte eine Schwester, Margot Frank.
Im Sommer 1933 zog die Familie Frank von Frankfurt am Main nach Amsterdam, Niederlande, um sich der direkten Bedrohung durch die Nazis zu entziehen. Als die Deutschen im Mai 1940 in die Niederlande einmarschierten, verschlechterte sich die Situation für die niederländischen Juden rasch. Neue Judengesetze nahmen ihnen zunehmend ihre Rechte.
Als dann auch noch Annes Schwester Margot in ein Arbeitslager deportiert werden soll, entschlossen sich die Franks dazu, früher als geplant am 6. Juli 1942 ihr Versteck im Hinterhaus der Firma Opekta in der Amsterdamer Prinsengracht 263. Die Tür, die vom Lager der Firma zum Hinterhaus führte, war hinter einem drehbaren Bücherschrank verborgen. Die Versteckten lebten länger als zwei Jahre im Hinterhaus. Während dieser Zeit konnten sie nicht nach draußen und durften keine Aufmerksamkeit erregen. Sie wurden von befreundeten Firmenangehörigen versorgt. Die Versteckten lebten in ständiger Ungewissheit und Angst, was oft zu Unruhe zwischen den Mitbewohnern führte.
Über Geschehnisse des Zweiten Weltkrieges (u. a. D-Day und das Attentat vom 20. Juli 1944) erfuhren sie aus dem Radio.
Im Hinterhaus der Prinsengracht 263 versteckten sich Otto, Edith, Margot Betti und Anne Frank, Hermann, Auguste und Peter van Pels sowie Fritz Pfeffer.
Diesen Personen halfen Victor Kugler, Elisabeth van Wijk-Voskuijl, Miep Gies-Santrouschitz, Jan Gies und Johannes Kleimann.
Am 13. Juni 1942, ihrem Geburtstag, kurz bevor sie das Hinterhaus bezogen, bekam Anne ihr erstes Tagebuch geschenkt. Zwei Tage später begann sie in ihrem Zimmer regelmäßig darin zu schreiben. In dem Tagebuch sah sie ihre beste Freundin, der sie den Namen Kitty gab.
Im Frühjahr 1944 hörte Anne Frank im Radio einen Aufruf der Regierung, die Besatzungszeit zu dokumentieren. Daher beschloss sie, nach dem Kriegsende ein Buch über den Krieg auf Grundlage ihrer Tagebuchaufzeichnungen zu schreiben. Der letzte Tagebucheintrag stammt vom 1. August 1944.
Am 4. August 1944 wurden die Versteckten sowie die Helfer Kugler und Kleimann durch den österreichischen SD-Beamten Karl Josef Silberbauer verhaftet und in das SD-Gefängnis in der Euterpestraat gebracht. Es gilt als sicher, dass das Versteck von einem Firmenmitarbeiter entdeckt und verraten wurde.
Die Helfer kamen am 11. September 1944 in das polizeiliche Durchgangslager Amersfoort. Kleimann wurde am 18. September 1944 aus gesundheitlichen Gründen entlassen, Kugler gelang am 28. März 1945 die Flucht.
Die Versteckten wurden am 3. September 1944 mit dem letzten Transport vom Durchgangslager Westerbork ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert, wo sie am 6. September ankamen. Hermann van Pels wurde, nach Aussagen und Nachforschungen des Roten Kreuzes, dort direkt nach der Ankunft vergast.
Auguste van Pels wurde über das KZ Bergen-Belsen und das KZ Buchenwald am 9. April 1945 in das KZ Theresienstadt gebracht. Sie starb während des Transportes.
Peter van Pels wurde am 16. Januar 1945 auf einen Todesmarsch von Auschwitz nach Mauthausen geschickt, wo er kurz vor der Befreiung starb.
Edith Frank starb am 6. Januar 1945 im KZ Auschwitz-Birkenau an Hunger und Erschöpfung.
Anne und Margot Frank wurden Ende Oktober 1944 in das KZ Bergen-Belsen deportiert. Im Februar oder März 1945 starb Anne wenige Tage nach ihrer Schwester im KZ Bergen-Belsen – kurz vor der Befreiung durch die Briten am 15. April 1945 – an den Folgen einer Typhus-Epidemie, die im Lager ausgebrochen war.
Otto Frank überlebte als einziger der acht Versteckten. Er wurde mit den Gefangenen des KZ Auschwitz durch die Rote Armee befreit. Er starb am 19. August 1980 in Basel.
Annes Tagebuch konnte noch am Tage der Verhaftung von Miep Gies gesichert werden. Nach dem Krieg überreichte sie es Annes Vater, Otto Frank, der das Buch unter dem Namen „Het Achterhuis“ (in Deutschland: „Das Tagebuch der Anne Frank“) verlegte.
Anne und Margot Frank wurden in einem der vielen Massengräber begraben, die es im KZ Bergen-Belsen noch heute gibt. Da man nicht genau weiß, wo sie begraben worden sind, haben Familienangehörige einen Gedenkstein für sie auf dem Gelände der Gedenkstätte Bergen-Belsen errichtet.
Anne Franks Tagebuch ist heute Standardlektüre im Geschichtsunterricht.
Anne hat die gelebte Demokratie in sich vereint: sie hat sich zusammen mit anderen Menschen gegen das NS-Regime Widerstand geleistet – sie haben sich in einem kleinen Hinterhaus über zwei Jahre vor den Nazis versteckt gehalten.
Es gibt viele Schulen, die den Namen „Anne Frank“ tragen – die nächste Schule befindet sich in Hamburg.


