Alfred Nobel
Alfred Nobel kennt eigentlich jeder. Man weiß über ihn, dass er der berühmte Erfinder des Dynamits war. Das Dynamit ist eine Mischung aus Nitorglycerin und Kieselgur, eine Erfindung, die er in seinem größten Werk in Krümmel bei Geesthacht getätigt hat. Dank der Entwicklung des Dynamits konnte der Panamakanal gebaut werden, der Gotthard-Tunnel und die Transsibirische Eisenbahn – Projekte, die die Welt näher zusammenrücken lassen. Selbstverständlich kennt man auch sein berühmtes Testament, in dem er seinen Nachlass in eine Stiftung einbringt, deren jährlicher Zinsertrag als Preis an die Menschen ausgeschüttet wird, die im vorausgegangenen Jahr den größten Nutzen für die Menschheit auf den Gebieten der Medizin/Physiologie, Chemie, Physik, Literatur und Frieden gestiftet haben. Der Preis für Wirtschaftswissenschaften kam erst 1968 hinzu. Die Herkunft des zukünftigen Preisträgers, so Alfred Nobels ausdrücklicher Wunsch, darf keine Rolle spielen.
Was war das für ein Mensch, der einerseits ein riesiges Vermögen mit Waffen, Sprengstoffen und vielen Erfindungen – er hatte am Ende seines Lebens 355 Patente in verschiedenen Ländern angemeldet – angehäuft hatte, die von Menschen zur Vernichtung eingesetzt wurden und der andererseits den berühmten Preis stiftete?
Alfred Nobel war ein hochintelligenter und sehr belesener Mensch mit Visionen. Er beherrschte fünf Sprachen fließend, erledigte seine Korrespondenz in vier Sprachen alleine. Trotzdem hatte er noch Zeit, Theaterstücke, Gedichte usw. zu schreiben, Billard und Schach zu spielen und Orchideen zu züchten. Sein Unternehmen war nach heutigen Maßstäben sehr modern aufgestellt. In allen großen Industrienationen hatte er Niederlassungen, die von einem lokalen Direktorium geleitet wurden, die über das Unternehmen alleinverantwortlich entscheiden konnten. Er war der erste Global Player. Jedes seiner Werke hatte eine eigene Entwicklungsabteilung und Qualitätskontrolle, so dass er in jedem seiner Werke seine Forschungen und Erfindungen durchführen konnte, wenn er sie besuchte. Die wenigsten Menschen wissen, dass er neben Patenten für Verfahrensverbesserungen für die Sprengstoffherstellung auch welche für eine automatische Bremse für Lokomotiven, einen explosionssicheren Damfkessel, Verfahren zur Reinigung von Gusseisen, Nutzung von Erdöl und Erdöldestillation, künstliches Gummi, Verbesserungen an Phonographen, Telefonen und Batterien und der Herstellung von Kunstseide hielt. Er versuchte sich an der Herstellung künstlicher Edelsteine, beschäftigte sich mit Problemen der Luftfahrt, der Atomtheorie, der Aluminiumherstellung, und machte fotografische Luftaufnahmen mit Kameras, die von einer Rakete in die Luft befördert wurden und dann mit einem kleinen Fallschirm zur Erde zurückkamen.
Und er soll gesagt haben: „Ich bin lieber ein miserabler Chemiker als ein eiskalter Geschäftsmann.“ So verabscheute er Menschen im Allgemeinen und Rechtsanwälte im Besonderen, die über Winkelzüge und Ausnutzen kleinster Lücken nur ihren Vorteil suchten. Ehrlichkeit und Fairness war für ihn die Grundlage jeder Geschäftsbeziehung. Er lebte die Maxime des fairen Gebens und Nehmens und das Treuhandgebot des Produzenten gegenüber seinen Arbeitern. Er zahlte überdurchschnittliche Löhne in einer Zeit großer Massenarbeitslosigkeit bedingt durch die mächtig fortschreitende Industrialisierung, und er sorgte sich um seine Arbeiter und Angestellten. Damit unterschied sich er deutlich vom Manchesterkapitalismus, der mehr oder weniger ohne Rücksicht auf Verluste Land und Leute ausbeutete. Seine Einstellung, auch Träumer und Schwache zu berücksichtigen, äußerte sich z. B. in der heute modernen Form des Venture Capitals oder Firmenpatenschaften. Er verabscheute das Militär und war immer wieder entsetzt, wenn es sich seiner Erfindungen bemächtigte und sie in immer fürchterlicheren Waffen anwendete.
1873 lernte er die verarmte Gräfin Bertha von Kinsky und Trettau kennen, die sich bei ihm um die Stelle einer Privatsekretärin und Hausdame bewarb. Sie war eine Friedensaktivistin, die es schaffte, Alfred Nobel zum Engagement in der Friedensbewegung zu gewinnen. Sie entschloss sich nach kurzer Zeit jedoch, den jungen Grafen von Suttner zu heiraten. Ihre Verbindung zu Alfred Nobel hielt jedoch sein Leben lang. Ihre engagierte Persönlichkeit wird auch der Grund sein, weshalb er den Friedensnobelpreis gestiftet hat. Sie erhielt ihn 1905 als erste Frau.
Wenn wir die Person und das Vermächtnis von Alfred Nobel betrachten, so sehen wir einen visionären und pragmatischen Chemiker und Geschäftsmann, der mit Engagement versucht, in seinem Wirkungskreis den Menschen menschlich zu behandeln. Er sieht die Fehler und die Zerstörungswut des Menschen seiner Zeit und glaubt doch so fest daran, dass sich die Vernunft irgendwann durchsetzt, dass er sein gesamtes Vermögen in eine Stiftung einfließen lässt, damit die Menschen, die durch vorbildliche Arbeit und Forschung der Menschheit einen Nutzen stiften, belohnt und die anderen angespornt werden, es denen gleich zu tun. Viele der vorgestellten Persönlichkeiten für die Namensgebung unseres Gymnasiums haben diesen Nobel-Preis bekommen, weil sie sich im Sinne Alfred Nobels um die Menschheit verdient gemacht haben. Aber es bedurfte eines Visionärs wie Alfred Nobel, um diese Menschen gegenüber anderen Menschen als herausragend zu kennzeichnen. Eine Schule, die den Namen Alfred Nobels trägt und seinem Sinne handelt und ausbildet, wird der Hort von ganz besonderen Menschen werden – unseren Kindern.
Zu guter Letzt:
Das Lebenswerk/Vermächtnis Alfred Nobels bietet Themen für Projektarbeiten für alle Klassenstufen und fast alle Fächer, denn Alfred Nobel war vielseitig interessiert, und die Riege der Nobelpreisträger erweitert sich jährlich.Der Mensch Alfred Nobel war ein Visionär, der sich mit ganzem Herzen für seine Ideen eingesetzt hat. Er ist ein Vorbild, da er in Zeiten des Umbruchs stets human und vorausschauend gehandelt hat, ein Vorbild, wie es sie heute kaum gibt.Der lokale Bezug Alfred Nobels ist, dass er keine 50 km von Mölln entfernt mit der Erfindung des Dynamits den Grundstock zu seinem Vermögen und damit auch zu seiner berühmten Stiftung gelegt hat.Im Internet gibt es keinen Eintrag bei Google zu Alfred-Nobel-Gymnasium und nur elf zu Alfred-Nobel-Schule. Damit wäre auch ein Alleinstellungsmerkmal gegeben. Last but not least könnte ja ein Alfred-Nobel-Gymnasium seinen eigenen Nobelpreis für besondere Verdienste in und an der Schule zu stiften, wie es Alfred Nobel selbst für die ganze Welt getan hat.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Heike Bäumner-Hansen
| Jahr | Was ist passiert? |
| 1833 | Alfred Nobel wurde in Stockholm geboren, die Firma seines Vaters Immanuel Nobel geht bankrott. |
| 1842 | Alfred Nobel geht nach St. Petersburg, Russland, wo sein Vater eine Waffenfabrik für Seeminen gegründet hatte. |
| 1863 | Das erste Patent für "Sprengöl" wird erworben. |
| 1864 | Alfred Nobels jüngster Bruder Emil-Oscar Nobel stirbt bei einer Explosion in Heleneborg, Schweden |
| 1865 - 1867 | Alfred Nobel kommt nach Deutschland und gründet in Krümmel bei Hamburg (Geesthacht) eine Fabrik. Nach einer Explosion verbessert er die Handhabung mit Nitroglyzerin durch Zusetzen von Kieselgur. Das neue Produkt wird Dynamit genannt und setzt zu einem Siegeszug durch die ganze Welt an. |
| 1876 | Die Dynamitaktiengesellschaft (DAG) wird gegründet, die frühere Alfred Nobel & Co. Hamburg. Alfred Nobels Unternehmungen expandieren in alle Industrienationen der Welt. |
| 1895 | Im Schwedisch-Norwegischen Club in Paris unterzeichnet Alfred Nobel sein berühmtes Testament. |
| 1896 | Alfred Nobel stirbt am 10. Dezember in seinem Haus in San Remo, Italien. |
| 1901 | Am 5. Todestag Alfred Nobels werden die ersten Nobelpreise vergeben:Medizin/Physiologie: Emil Adolph von Behring, DeutschlandPhysik: Conrad Wilhelm Röntgen, DeutschlandChemie: Jacobus H. van"t Hoff, NiederlandeLiteratur: Sully Prudhomme, FrankreichFrieden: Henri Dunant, Schweiz |
| 1968 | Der Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften wird von der Schwedischen Reichsbank anlässlich ihres 300-jährigen Bestehens gestiftet. |
| 2004 | Mittlerweile gibt es 770 Nobelpreisträger, davon sind 4,4 % Frauen. |
Folie für Vortrag:
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